Assassin’s Creed Origins – Fakten, historische Einordnung und erste Gedanken zum Potenzial des Reboots

Ein neuer Artikel von mir ist gestern auf Spielkritik.com erschienen. Es geht dabei ganz aktuell um das, auf der E3 2017 vorgestellte, Assassin’s Creed: Origins. Schaut vorbei!! 🙂

 

Quelle: Assassin’s Creed Origins – Fakten, historische Einordnung und erste Gedanken zum Potenzial des Reboots

Assassin’s Creed (The Movie) Templer in Granada – Inquisition und Reconquista (Teil 2)

Wichtig: Dieser Blog-Artikel besteht aufgrund der Länge aus Zwei Teilen, Teil Eins findest du hier: Link

assan-creed-peli-kgei-620x349abc

Torquemada, der Großinquisitor (im Film verkörpert durch Javier Gutiérrez), leitete die längste Phase der Judenverfolgung zwischen 1480 bis 1530 während der spanischen Inquisition. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Inquisition, die in allen europäischen Ländern präsent war, war die 1478 gegründete spanische Inquisition ein, der Krone untergeordnetes, Gericht. So erscheint es geradezu übertrieben welche Macht Torquemada im Film als angeblicher Vertreter der Templer gegenüber der Königin Isabel und Ferdinand besitzt. Der Film präsentiert generell eine „alternative History“, in der die Templer hinter der spanischen Inquisition stehen und planen Granada zu übernehmen, was rein chronologisch (wie bereits in Teil I meines Artikels angemerkt) gar nicht möglich ist. Am 2. Januar 1492, gehörte Granada bereits wieder offiziell den katholischen Königen. Und dies scheinen die Templer auch nur aus der Motivation heraus zu tun, um den Eden Apfel (ein magisches Artefakt) in ihren Besitz zu bringen. Und die spanischen Könige schauen nur zu. Die wahre Geschichte wird komplett ad acta gelegt.

Im Gegensatz zu Frankreich, wurden die Templer im 15. Jahrhundert in Spanien nicht verfolgt, doch wurde der Orden am Ende der Reconquista aufgelöst. Seine Besitztümer gingen an die spanischen Könige, die zudem den Platz der Großmeister einnahmen. Teile des Ordens existierten als diverse militärische Ritterorden weiter, die in abgeschwächter Form alte Ziele weiterverfolgten (Bewahrung des Christentums). Zu nennen sind der Santiagoorden (um 1170 gegründet), der Orden von Montesa (um 1316), Calatravaorden (um 1148) oder der Alcántaraorden (um 1156), die teilweise bis heute fortbestehen und Mitglieder des spanischen Königshauses in ihren Reihen zählen. Dass der Templerorden zur Zeit des Filmes in dem Sinne nicht mehr als DER EINE Templerorden in Spanien bestand, wird mit keiner Silbe erwähnt. Für die Filmemacher existiert er einfach in unveränderter Form bis ins 21. Jahrhundert weiter und auf die spanischen, neugeschaffenen, ich sage mal „Ersatzorden“ wird nicht eingegangen, dabei hätte dies so viel spannenden Stoff für die Assassin‘s Creed Games zu bieten…

acmovie-pic6

Doch zurück zum Autodafé: im Gegensatz zum Film nahmen weder die kirchlichen Würdeträger NOCH die Könige an öffentlichen Exekutionen oder Verbrennungen teil. Philip II. schrieb zwar später er möge die Autodafés, jedoch wegen des Pomp und der Zeremonien, nicht wegen der Hinrichtungen. Die Verurteilten trugen zudem eine Art Poncho und wurden während dieser Akte nicht exekutiert. Die, die zu Tode verurteilt waren, wurden dem königlichen Gericht übergeben, die dann das Urteil ohne die Anwesenheit der Autoritäten vollstreckten (wer will sich das auch schon selber als König/Königin antun?). Dabei war, wie schon angemerkt, die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen nicht die üblichste Vorgehensweise: diese reichte nämlich vom Entrichten von Strafzahlungen bis hin zum Dienst auf Galeeren für eine bestimmte Zeit. In sehr drastischen Fällen kam die Verbrennung zum Tragen, wobei die Menschen vorher gehängt und nicht lebendigen Leibes verbrannt wurden, dies kam laut Henry Kamen ziemlich selten vor. In dieser Zeit wurden nach dem Historiker Juan Antonio Llorente jedoch circa 10.000 Menschen exekutiert. Studien von Henry Kamen reduzieren die Anzahl sogar auf nur 2.000 bis zum Jahre 1530.

Francisco_rizi-auto_de_fe.jpg
Autodafé auf der Plaza Mayor in Madrid am 30. Juni 1680 (Gemälde von Francisco Risi, 1683)

Während Folterungen stattfanden, war zudem, im Gegensatz zu anderen Zivilgerichten Europas, ein Arzt zugegen und der Inquisitor hatte die Verpflichtung, den Befragten währen der Prozedur am Leben zu halten. Jedes Wort und Stöhnen wurde penibel von Sekretären beim Verhör aufgezeichnet. Die Geständnisse und Äußerungen während der Folter waren nicht rechtskräftig, sondern mussten innerhalb von 24-Stunden nochmal ohne Folter ratifiziert werden.

Letzten Endes, und damit komme ich mit meinem inzwischen sehr ausufernden Artikel zum Schluss: die Darstellung Königin Isabellas I. von Kastilien. Selbst nicht-Historikern werden die seltsam anmutenden Tattoos in ihrem Gesicht aufgefallen sein. Tattoos? Bei einer katholischen Königin im 15. Jahrhundert? Wer hat sich das denn einfallen lassen? Um die bösen katholischen Widersacher der Assassinen noch verruchter aussehen zu lassen? Ich habe mich im Kino amüsiert. Isabella I. wird wie eine Gothic-Braut dargestellt. Die Spanier, die Isabella I. als „christliche Schönheit“ bezeichnen, da sie blondes Haar hatte und sehr gläubig war, schütteln verständlicherweise nur den Kopf.

reyes-catolicos-torquemada.jpg

Abgesehen von der Darstellung Isabellas I. und dem chronologischen Fehler 1492, muss man dem Film natürlich zugestehen, dass es sich um eine Videospielverfilmung handelt, die keinen Anspruch auf historische Genauigkeit erhebt. Ich mag ihn, er ist schlicht und funktioniert – auch wenn ich wirklich mehr als ein Auge zudrücken muss für diese Aussage. Allerdings hätten sich die Filmemacher darüber im Klaren sein müssen, dass gerade das Assassin’s Creed Franchise von seiner Verbindung mit historischen Ereignissen lebt und Fans, im Gegensatz manch anderen Spielern genauer auf historische Korrektheit und „Easter Eggs“ achten. Nichtsdestotrotz darf man bei einem Film nicht die künstlerische Freiheit ignorieren. Der Assassin’s Creed Film steht für sich allein, da es in der Spielereihe bis dato noch kein Game gab, dass sich mit der spanischen Inquisition und Reconquista auseinandersetzt, und er steht auch für unterhaltsames Kino. Daran sollten viele Kritiker des Films denken.

Copyright Filmausschnittbilder: (Images by courtesy of 20th Century Fox), Gemäldeabbildungen & Flaggen: allgemeinfrei.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Films
Dokumentation über Granada und die Alhambra
Die Reconquista als Zeitleiste
New York Times über Henry Kamen’s Sicht auf die Inquisition

 

Assassin’s Creed (The Movie) Templer in Granada – Inquisition und Reconquista (Teil 1)

(Dieser Blog-Artikel besteht aufgrund der Länge aus Zwei Teilen, Teil Zwei erscheint am 4.März und wird hier direkt verlinkt!)

Es gibt unzählige Rezensionen des Assassin’s Creed Films, der letzten Dezember (27.12.2016) in die deutschen Kinos kam. Hierbei handelt es sich um eine Videospielverfilmung des „Assassins‘ Creed“ Franchises von Ubisoft vom, mir bis dato völlig unbekannten, Regisseur Justin Kurzel, dessen Bruder auch den Filmscore kreierte.

Trailer:

Vielleicht gerade WEIL ich bis auf „Black Flag“ und ein paar kleinere Ableger der Assassin’s Creed-Reihe, wie zum Beispiel „Rogue“, eigentlich alle Teile gespielt habe, hat mir der Film, den Kritiken zum Trotz, dennoch sehr gefallen.

Wie so oft bei Videospielverfilmungen kann man es nicht jedem Recht machen und Zuschauer, die z.B. die Spiele nicht gespielt haben oder gar nicht kennen, werden es schwer haben der Geschichte um den Eden Apfel zu folgen oder überhaupt einen Sinn darin zu finden, was die Templer eigentlich gegen die Assassinen haben und so weiter und sofort…

31265093352_03c47597f6_b

Nachdem ich die ersten Rezensionen im Netz gelesen hatte, stand ich sogar kurz davor nicht ins Kino zu gehen, doch ich tat es zwei Mal. „Zwei Mal?“ werden sich jetzt einige Leser nun fragen.

Das erste Mal: einfach für das Popcorn-Feeling und um mich von den tollen Kampf-Choreografien mitreißen zu lassen.Das zweite Mal mit kritischerem Blick. Schon beim ersten Sehen fielen mir einige Sachen negativ auf und zu klischeehaft schnell wurde manches abgehandelt (Templerorden im modernen London), zu wenig Story in den historischen Erinnerungssequenzen. Für mich war es schwer, für den Protagonisten Callum Lynch Sympathie zu empfinden, ist er doch ein verurteilter Mörder und nicht gerade der freundlichste Zeitgenosse.

Der neu entworfene Animus (ich nenne es nun den „VR-Animus“), bei dem ich mich immer gefragt habe: müsste der Protagonist Michael Fassbender, alias Callum, nicht irgendwann gegen eine Wand laufen? Ist eine tolle Idee, lässt aber natürlich Fans der Spiele naserümpfend zurück. Lag man in den Spielen noch bequem auf einem Stuhl, und erlebte die Erinnerungen „im Kopf“, so muss der Protagonist Callum nun plötzlich an einem Maschinenarm akrobatische Kunststücke auch körperlich selbst vollführen. Sieht zumindest sehr beeindruckend aus, auch was CGI-Effekte beim Übertritt in die Erinnerungssequenzen angeht.

Nichtsdestotrotz, die Atmosphäre, die Besetzung mit Jeremy Irons und Michael Fassbender, die Musik (wenn mir auch die Original Main Theme von Assassin’s Creed sehr gefehlt hat) und das Setting haben mir sehr zugesagt. Doch…warum schreibe ich hier eigentlich über diesen Film? Dem Leser wird aufgefallen sein, dass ich eigentlich nur über Geschichte in Videospielen schreibe, ich erlaube mir einfach mal das Genre „Videospielverfilmungen“ (da es sich beim Thema Assassin’s Creed geradezu anbietet), zu meinem Blog-Repertoire für diesen Artikel dazuzuzählen.

assasins-creed_002.jpg

Bei nahezu ALLEN Rezensionen in einschlägigen Zeitschriften und Blogs vermisse ich jedoch etwas: keinem fallen die meist ulkigen und teilweise fast schon grotesken historischen Fehler im Film auf. Gut, nicht jeder kennt sich mit der spanischen Geschichte aus und in Spanien selbst wurde der Film deswegen geradezu öffentlich zerrissen, da es sich bei Vielem im Film gezeigten schlicht weg um historisches Allgemeinwissen handelt. Wieso ich davon ausgehe und das weiß? Vor allem mein spanischer Bekannter hat regelmäßig die Augen verdreht, dabei liebt er die Assassins’s Creed Reihe genauso wie ich. Ich habe zwar Geschichte studiert, doch wirklich in die Bücher zur Reconquista-Thematik habe ich mich erst jetzt eingegraben – und viel dabei noch lernen können.

Wir schreiben das Jahr 1492. Der Film baut vor allem auf den schwarzen Legenden, die sich um die spanische Inquisition ranken, auf. Legenden? Nun, vieles was wir aus dem Kino und Fernsehen wissen, ist schlichtweg falsch und übertrieben. Die meisten modernen Darstellungen basieren auf  Legenden, die wohl von Frankreich, Dänemark und England in die Welt hinausgetragen wurden, um die Vormachtstellung Spaniens in Frage zu stellen.

Denkt man an die spanische Inquisition, denkt man zunächst an Massenverbrennungen von Nicht-Christen, Vertreibung von Juden, Muslimen und Millionen Toten. Dass die Wahrheit jedoch eine ganz andere ist, lässt sich an folgenden Zahlen sehen: nur in 1% der Fälle wurden die Verurteilten auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Juden und Muslime wurden entweder zwangskonvertiert oder mussten ins Exil. Die Prozesse richteten sich gegen die sogenannten „Conversos“, also Juden und Muslime, die zum christlichen Glauben gewechselt waren, jedoch unter Verdacht standen weiterhin im Geheimen ihren Glauben zu praktizieren. Mit einer Hexenverbrennung und ähnlichem hat die spanische Inquisition also kaum etwas zu tun.

Den Film betreffend, und ein Punkt, der mir schon im Kino auffiel, wäre da die Verwendung der heutigen spanischen Flagge, die zwischen den christlichen Truppen Anfangs in der ersten Erinnerungssequenz auftaucht. 1492 gab es die spanische Nationalflagge noch gar nicht, vielmehr ein Banner der spanischen Könige (siehe hier links, allerdings schon nach 1492 mit der Alhambra-Festung). Die Flagge, wie wir sie heute kennen, wurde erst von Karl III. im Jahre 1785 eingeführt, um Schiffe auf See aus der Ferne besser auseinanderhalten zu können. Natürlich hat die Flagge seitdem auch einige kleinere Änderungen durchgemacht, doch Rot-Gelb-Rot blieb sie seitdem immer ob zur Zeit der Diktatur Francos oder der heutigen parlamentarischen Erbmonarchie.

Auch das Autodafé wird im Film dargestellt wie in einem römischen Zirkus und Massenspektakel, das die katholischen Könige besuchen, um Muslime und ihre Verbündeten, die Assassinen, zu verbrennen. Ein Autodafé „ist die öffentliche Verkündung des Urteils eines Inquisitionsgerichts und feierliche Durchführung dieses Urteils“ (Zitat aus dem Duden).

Die Mauren, und somit auch die  meisten Muslime, wurden bis ins 16. Jahrhundert nicht verfolgt. Zu der Zeit, in der der Film spielt, waren die Juden das eigentliche Ziel der spanisch katholischen Inquisition und der Könige. Chronologisch entspricht dies nicht der historischen Realität.

Aguilar, der Protagonist, versucht Granada vor den christlichen/katholischen Streitmächten zu bewahren, die im Film als barbarische Besetzer unter Einfluss der Templer agieren. Der Film gibt für die Handlung der gesamten historischen Story das „Wunderjahr“ 1492 an. Wunderjahr? Nun: Am 2. Januar 1492 war Spanien (und damit auch Granada) wieder in katholischer Hand, nach der erfolgreichen sogenannten Reconquista („Wiedereroberung“ Spaniens durch die katholischen Könige). Der Film müsste also komplett am 1. Januar gespielt haben, oder im Jahr 1491.

Spanien stand seit circa 711 n.Chr. unter muslimischer Herrschaft, nachdem die Westgoten vertrieben worden waren. Daher wurden große Teile des Films auch in Sevilla, Granada und auch auf Malta gedreht. Witziger weise wird die maurische Architektur aller Städte durch Computeranimation ergänzt. Das sieht cool aus, wer allerdings die Alhambra besucht hat, wird sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können.

Zudem sind nur muslimische Soldaten zu sehen, dies verwundert, da die spanischen Könige und der Emir „Boabdil“ von Granada Handelsbeziehungen miteinander unterhielten und keineswegs absolute Todfeinde waren. Außerdem waren die Maurenherrscher schon Jahrzehnte vor 1492 den spanischen Königen Tribut pflichtig. Al Andalus, Abu Abdallah, Muhammad XII. (von den Spaniern auch Boabdil genannt) kapitulierte bereits am 2. Januar 1492 gegenüber Philipp II. von Aragon und Isabela I. von Kastilien.

La_Rendición_de_Granada_-_Pradilla.jpg
Muhammad/Boabdil begegnet Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón, Historienbild von Francisco Pradilla y Ortiz (1882)

Boabdil war den spanischen Königen sogar seine Krone schuldig, entthronte er doch 1487 den Emir Muley Hacén, und versprach den katholischen Königen, das Königreich ihnen zu überlassen, würden sie ihm bei der Vernichtung seiner Widersacher beistehen. Die Machtübernahme lief auch deshalb keineswegs, wie im Film dargestellt, kriegerisch ab. Als um drei Uhr nachmittags Boabdil dem neuen Vizekönig Inigo Lopéz de Mendoza, dem Grafen von Tedilla, das Amt, den Ring und den Schlüssel zur Stadt Granada übergab, soll er gesagt haben: „Tragt Ihr ihn nun und möge Euch Gott mehr Glück schenken als mir.“(Zitiert nach GEO Epoche, Nr.31, S.48).

Danach, so berichtet die Legende, soll er auf die Gipfel der Sierra Nevada geritten sein, sich zu seiner Stadt umblickend mit Tränen in den Augen. Ein berühmtes spanisches Zitat seiner Mutter: „Llora como mujer lo que no has podido defender como hombre“ (Weine wie eine Frau um das, was du nicht wie ein Mann verteidigen konntest).

Der Ort ist heute als „El Puerto del Suspiro del Moro“ bekannt („Die Passage des letzten Seufzers des Mauren“). Der Emir verweilte noch einige Jahre in Spanien, bis es ihn nach Marokko zog. Im Film wird er als Mann dargestellt, der sich der katholischen Übermacht geschlagen geben muss, da sein Sohn von ihnen entführt wurde und er ihnen den fiktionalen Eden Apfel im Austausch übergeben muss, um seinen Sohn zu retten. Vollkommen abstrus also.

Les_Adieux_du_roi_Boabdil_a_Grenade_Alfred_Dehodencq_1822_1882.jpg
„Les Adieux du roi Boabdil à Grenade“ Alfred Dehodencq (1822-1882)

Copyright Filmausschnittbilder: (Images by courtesy of 20th Century Fox), Gemäldeabbildungen & Flaggen: allgemeinfrei.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Films
Dokumentation über Granada und die Alhambra
Die Reconquista als Zeitleiste
New York Times über Henry Kamen’s Sicht auf die Inquisition

 

Assassin’s Creed: Syndicate – Jack the Ripper mag kein Indisches Curry

jacks_kills_1920x1080
Copyright Ubisoft 2015

Ab in’s Londoner East-End

Heute geht es zurück in das viktorianische Zeitalter in London. Wir schreiben das Jahr 1888, ca. 30 Jahre nach den Geschehnissen aus Assassin’s Creed: Syndicate. Der DLC „Jack the Ripper“ (DLC=Zusätzlich erwerbbar) des Spiels Assassin’s Creed: Syndicate ist (für mich) all sein Geld wert und bereichert das Hauptspiel mit einer sehr dunklen Geschichte und wird atmosphärisch all den Filmen wie „From Hell“ (2001) mit Johnny Depp oder eben „Jack The Ripper“ (1988) mit Michael Caine gerecht (beide sehr empfehlenswert).

Man spielt abwechselnd Evie Frye oder Jack the Ripper, so erlebt man das Katz-und-Maus-Spiel aus zwei Perspektiven. Jack the Ripper ist damit die erste historische Persön lichkeit, die man in der Assassin’s Creed-Reihe selber spielen kann. Die eigentliche Handlung des DLC ist abgesehen von den historischen Hintergründen rund um den Serienmörder, Jack the Ripper, komplett erfunden und wirkt etwas konstruiert, um in die Assassin’s Creed-Reihe zu passen oder wenigstens einen Bezug zu den Hauptcharakteren Evie und Jacob aus dem Hauptspiel herzustellen. Evie Frye taucht nämlich, nachdem sie nach Indien gezogen ist und Sir Henry Green (Jayadeep Mir) geheiratet hat, nach ca. 30 Jahren wieder in London aufgrund eines Schreibens von ihrem Bruder Jacob auf. Doch sie kommt zu spät, denn dieser wurde vom Ripper entführt.

Der Großteil der Historiker geht von fünf Opfern des Rippers aus (auch „kanonische Fünf“ genannt), wobei immer noch eine große Debatte darüber geführt wird, wie viele es letzten Endes waren: Mary Ann Nichols, Annie Chapman, Elizabeth Stride, Catherine Eddowes und Mary Jane Kelly.

Der erste nachgewiesene Mord ereignete sich in Whitechapel, in den frühen Morgenstunden des 31. August 1888. Das Opfer war Mary Ann Nichols, die mit ihrer Freundin Emily Holland (auch bekannt als „Nelly“ in Assassin’s Creed Syndicate) nur eine Stunde vor ihrer Ermordung noch ein Gespräch geführt hatte. Ebenso, wie den folgenden Opfern, wurde ihr die Kehle aufgeschnitten und der Unterleib geöffnet, um die Gedärme freizulegen und, wie später bekannt wurde, die Gebärmutter zu entfernen.

Zunächst gingen die Zeitungen davon aus, dass es sich um einen weiteren Fall der Gangstreitigkeiten, wie sie in den letzten Monaten stattgefunden hatten, handelte. Wieder also ein Bezug zum Gameplay von Syndicate, in dem man als Jacob Frye die Rooksgang anführt. Scotland Yard begann den Mordfall aufgrund des Tatorts und der bis dahin nie dagewesenen Verstümmelung der Prostituierten weiter zu untersuchen.

Chief Inspector „Freddy“ Frederick Abberline (1843-1929), bei dem es sich um eine real existierende historische Person handelt und der mit den fiktiven Assassinenzwillingen, Jacob und Evie Frye, aus Assassins Creed Syndicate befreundet ist, befindet sich im Ermittlungsteam. Kurz bevor der Fall geschlossen werden soll, findet jedoch ein weiterer Mord statt, am 8. September 1888. Diesmal handelt es sich um Annie Chapman, die, bis auf ihre Fingerringe, alle Habseligkeiten noch bei sich trug als man sie fand. Dieser historische Fakt veranlasste die Macher von „Jack the Ripper“ sich eine fiktive, weitreichend  neue Hintergrundstory auszudenken. Bei den Fingerringen handelt es sich, so will das Spiel uns weißmachen, um Ringe des Assassinenordens…

Zunächst einmal war Jack the Ripper sicherlich kein Mitglied des geheimen Ordens der Assassinen, ebenso wenig wie seine weiblichen Opfer, die angeblich geschickt wurden, um ihn aus der Welt zu schaffen, zu observieren und als Tarnung die Rolle von Prostituierten einnahmen (welch` kuriose Idee von Ubisoft…).

Weiterhin tötete er nicht wahllos alles, was bei drei nicht auf den Bäumen war. Spielt man Jack, verfällt dieser in einen regelrechten Rausch, egal, ob man Police-Officer umbringt oder „unschuldige“ Passanten. Der Bildschirm verschwimmt, und Wörter aus seinen wirren Gedanken verzerren zunehmend in Schwarz-Weiß den Bildschirm. Ein sehr gelungener Effekt. Sein geistig debiler Zustand, die Geschichte mit dem Heim und dem Sanitarium wurden ebenfalls von Ubisoft erfunden: Jack soll nämlich aus einer Anstalt namens Lambeth (bis 1868) stammen, da seine Mutter von Templern umgebracht wurde. Nach dem Tode des Widersachers Crawford Starrick aus dem Hauptspiel Syndicate, nahm Jacob ihn bei sich auf. 1870 in Indien, unter der Obhut der Zwillinge und Henry Green, wurde er in speziellen indischen Kampfattacken ausgebildet. Diese „Angst-“ und „Terrorattacken“ kann man als Spieler im Spiel auch selber anwenden, um Gegner und Passanten in Angst und Schrecken zu versetzen.

Die entführten Menschen, die er auf ausgedienten Kriegsschiffen nahe einer verlassenen Insel verhungern und foltern lässt, um die Öffentlichkeit in Terror zu versetzen, hat es so auch nie in Wirklichkeit gegeben. Nach seiner Rückkehr aus Indien übernahm er angeblich gewaltsam die Rooks (Jacobs Gang), da er Jacob die Schuld am Tod seiner Mutter durch die Templer gibt. Schließlich gibt es keinen offiziellen Beleg dafür, dass Jack the Ripper getötet wurde. Doch wie handhabt AC das Ende……?

(SPOILER)

1888 folgt Evie Frye den Hinweisen Jacks bis zur Anstalt von Lambeth, wo sie den schwerverletzten Jacob im Keller vorfindet. Nach dem Showdown mit Jack the Ripper, dem man nicht mit normalen Angriffen beikommen kann, taucht Frederick Abberline auf. Auf Wunsch Evies behält Abberline die Identität und den Zusammenhang mit den Assassinen für sich, um keine Schande über den Assassinenorden und sein Kredo zu bringen.

Und nun?

Leider ist der Eintrag hier auch schon zu Ende, obwohl mich die Thematik des Jack the Ripper sehr fasziniert. Natürlich gibt es viele, viele, weitere Spiele (wie z.B. die Sherlock Holmes-Reihe), die sich mit Jack the Ripper befassen. Ich denke, darüber werde ich bald einen separaten Eintrag verfassen und noch tiefer in die dunkle Welt des Rippers eintauchen. Für Filminteressierte habe ich unten auch einen Link zum „The Telegraph“ eingefügt, der Euch die bis dato wohl fünf besten Filme auflistet.

jack1-noscale
Copyright Ubisoft 2015

Weitere interessante Links:

Das Londoner East-End 2006 bei Nacht

Interaktive Übersichtskarte

The Telegraph: Top five Jack the Ripper movies

http://www.jacktheripper.de/