Reblog: Das „authentischste“ Historienspiel aller Zeiten?! Die gewaltige Schräglage von „Kingdom Come: Deliverance“

Absolut lesenswert und scharfzüngig. Habe mich sehr über diesen ausführlichen Artikel  von „lepetitcapo“ gefreut, zumal ich mich momentan als Historiker selbst durch das Spiel „quäle“ 🙂

Let's Play History

Der 13. Februar lässt das Herz von Historygamer*innen und Mittelalterfans höher schlagen. Heute in einem Monat erscheint das vermeintlich „realistischste“ Historienspiel, das jemals über digitale Bildschirme flimmerte. Doch das Spiel hat ein massives Problem: seine „Macher“.

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Reblog: Guckempfehlung History’s Creed auf arte

Eine ganz tolle „Guckempfehlung“ hat der Blog „Videospielhistoriker“ heute im Focus gehabt. Schaut vorbei! 🙂

Wenn man an arte denkt, kommen einem wahrscheinlich gleich die Bilder von französischen Dokumentationen mit (mehr oder weniger guten) deutschen Synchronisationen oder eher unbekannte Arthouse-Filme in den Kopf. Von daher war ich doch überrascht, als mich ein Freund auf eine Serie aufmerksam machte, die seit kurzem auf der Internetplattform zu sehen ist: History’s Creed. Dort […]

über Guckempfehlung: History’s Creed [arte] — Videospielhistoriker

(Re-Blog) Kritik: Mass Effect: Andromeda – Das Ergebnis einer verfehlten Firmenpolitik

Off-Topic (hat nichts mit Geschichte zu tun), aber endlich ist er Online: Mein Artikel zu Mass Effect: Andromeda wurde auf Spielkritik.com veröffentlicht!

SPIELKRITIK.com

Als Fan des Mass Effect-Franchises versuche ich möglichst neutral zu bleiben, doch ich möchte mit Euch, den Lesern, gerne meine Erfahrungen und Gedanken zum neuesten Teil der Serie teilen. Und endlich habe ich mich dazu bewegen können, einen Artikel über Mass Effect: Andromeda mit etwas Abstand zum Erscheinungsdatum (März 2017) zu verfassen. Sicherlich ist dies besser so, der Beitrag wäre sicherlich „untergegangen“ in der Fülle von Meldungen über das Spiel.


Viele behaupten Mass Effect: Andromeda sei in einer Entwicklungszeit von fünf Jahren entstanden … was, wenn ich jetzt in den Raum werfe: Andromeda wurde in nur 18 Monaten produziert?

Wie es dazu kam, dass Mass Effect: Andromeda in Wahrheit in nur so kurzer Zeit entwickelt werden musste, ist eine lange Geschichte. Einen ausführlichen englischen Artikel hat John Schreier auf Kotaku publiziert (sehr lesenswert!). Auf diesen werde ich mich hier ab und zu beziehen.

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Mass Effect 1 bis 3 – Biowares…

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Lesenswert: No More Pork Eating Crusaders: Eternal Darkness und der lange Schatten des 11. September

Liest hier einen besonders interessanten Artikel von Sylvio Konkol auf Spielkritik.com. Historisch wie auch sachlich sehr schön aufbereitet und lesenswert.

Quelle: No More Pork Eating Crusaders: Eternal Darkness und der lange Schatten des 11. September

Assassin’s Creed Origins – Fakten, historische Einordnung und erste Gedanken zum Potenzial des Reboots

Ein neuer Artikel von mir ist gestern auf Spielkritik.com erschienen. Es geht dabei ganz aktuell um das, auf der E3 2017 vorgestellte, Assassin’s Creed: Origins. Schaut vorbei!! 🙂

 

Quelle: Assassin’s Creed Origins – Fakten, historische Einordnung und erste Gedanken zum Potenzial des Reboots

Eine Wundertüte des Ersten Weltkriegs: Battlefield 1 aus Sicht eines Historikers

Hier mein Artikel der bis dato nur auf Spielkritik.com zu lesen war…mit einem kleinen Update am Ende des Artikels, usw….Danke an alle meine Leser, die mich unterstützen!

1914 und hundert Jahre später…

Lange warteten Fans der Battlefield-Reihe auf ein Setting im Ersten Weltkrieg. Battlefield 1 erschien im Oktober 2016 und wurde, genau wie seine Vorgänger, von Digital Illusions Creative Entertainment AB (DICE) in Schweden entwickelt.

Die Geschichte des Ersten Weltkrieges kennen viele noch aus der Schulzeit. 2014 waren es 100 Jahre, dass sich die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ ereignete. In Medien, Dokumentationen, ja auch in Videospielen (wie z.B. Valiant Hearts) wurde eine Erinnerungskultur praktiziert, die wohl doch an den meisten vorbeiging oder aufgrund übertriebenen medialen Inputs und moralischen Diskussionen gerade von jungen Leuten ignoriert wurde. Zu sehr sind viele es leid, immer wieder mit moralisch erhobenem Zeigefinger an die Kriege Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert zu werden.

100 Jahre sind lange her. Und wir, die wir in Westeuropa leben, kennen seit circa 70 Jahren in unseren eigenen Gefilden den Krieg nur aus Filmen (meist aus Hollywood) oder eben Videospielen. Selbstverständlich schafft dies eine unwirkliche Distanz zu unserer Vergangenheit. Vielleicht ist dies gut, vielleicht auch nicht. Bedenken sollte man, dass vor allem bei der Battlefield-Serie, die auch andere Kriege des 20. Jahrhunderts behandelt, mitunter auch der amerikanische Markt bedient wird. Und viele Amerikaner und Nicht-Europäer haben über den Ersten Weltkrieg, zumindest aus medialer Sicht, wenig Kenntnis über die Ursachen und Ausmaße dieses Krieges. Meistens, zumindest fiel mir dies in vielen Foren auf, wird der Erste Weltkrieg mit dem Zweiten Weltkrieg von vielen jungen Amerikanern  gleichgesetzt oder gar „vermengt“. Es ist schon seltsam, wenn man Posts liest, die Soldaten des Kaiserreichs unter Wilhelm II. als „Nazis“ bezeichnen.

Warum dieser Krieg bis dato ein solches Nieschendasein in Spielen führte, kann ich mir nur folgendermaßen vereinfacht(!) erklären: Durch die teils komplizierten Bündnissysteme, die sich änderten oder verschoben und das Fehlen eines klaren Feindbildes, ist es selbst heute noch schwer ein Spiel zu konzipieren, dass jeder Partei des Ersten Weltkrieges politisch und moralisch gerecht wird.

„Durch die Wolken ein Lichtstrahl auf die Welt jenseits des Krieges fällt.”

Nachdem ich nun die fünf Kampagnenmissionen zwei Mal durchgespielt habe und im Multiplayer Rang 40 erreichte, denke ich, dass ich mir als Historikerin selbst ein umfassendes Bild vom Spiel machen konnte. Um ein dynamisches Gameplay zu gewährleisten, blieb DICE oft nichts anderes übrig, als teilweise historisch inakkurate Elemente einzubauen. So wäre es zumeist undenkbar gewesen ohne Deckung über die Felder zu rennen, um den Feind Mann gegen Mann anzugreifen, wie es im Multiplayer oft der Fall ist. Nicht umsonst spricht man beim Ersten Weltkrieg von einem Stellungskrieg, der meist liegend oder in Schützengräben kauernd ausgefochten wurde.

Als Prolog zum eigentlichen Spiel dient die Mission „Storm of Steel“ (dt. „In Stahlgewittern“). Sicherlich wurde der Name dieser Mission in Anlehnung an Ernst Jüngers Buch „In Stahlgewittern“ gewählt, das 1920 erschien und das ganze Ausmaß des Stellungskrieges in den Gräben erzählt.

Man spielt Soldaten des 369. amerikanischen Infanterieregiments (die Harlem Hellfighters, Afroamerikaner) an der Seite ihrer französischen und britischen Verbündeten an der Westfront im Jahre 1918. Das Besondere in diesem Spielabschnitt ist, dass man gar keine Chance hat zu gewinnen: stirbt man, wechselt die Kamera zu einem anderen Soldaten, dessen Steuerung man dann übernimmt. Nach jedem digitalen Tod wird ein Name samt Geburts- und Sterbejahr eingeblendet. Daten, welche von Playthrough zu Playthrough variieren. Ich finde die Inszenierung sehr eindrucksvoll, macht sie doch dem Spieler zu Beginn gleich klar: dein Leben hängt von Glück und Zufall in diesem Krieg ab und du wirst nicht immer auf der Gewinnerseite stehen können. Hier wird ein zwingender Zusammenhang mit realen Kriegsgeschehnissen hergestellt.

Nach einigen digitalen Toden landet man beim namenlosen letzten Soldaten der Harlem Hellfighters, der sich einem deutschen Soldaten gegenüber sieht, hält jedoch genauso inne wie sein Gegenüber. Beide legen resigniert die Waffen nieder. In meinen Augen ein Symbol für die Sinnlosigkeit des Ersten Weltkrieges. Video des Prologs (ohne Audio-Kommentar).

Doch was macht ein Harlem Hellfighter an der Europäischen Westfront? Nun, 1917 waren die USA und Griechenland der Entente beigetreten. Generell sollte man beim Spielen beachten, dass sich DICE, was das Equipment der Soldaten und die Zeitleiste betrifft, nicht auf den Anfang des Krieges 1914-1916 konzentriert, sondern die letzten Kriegsmonate und Jahre beleuchtet. Auch deshalb wurde vermutlich auf eine deutsche Kampagnenmission verzichtet. Die Ostfront wird im Spiel komplett ausgeklammert. Mit dem kommenden DLC „They shall not Pass“, sollen nun jedoch zumindest im Multiplayer die französischen Streitkräfte vertreten sein. Dies ist nur legitim, zumal im Spiel schon französische Panzer zum Einsatz kommen. Ein DLC, der russische Streitkräfte einführt, soll ebenfalls in Zukunft erscheinen, auch wenn das Zarenreich Ende 1917 im Zuge der Oktoberrevolution nicht mehr am Krieg teilnahm. Kampagnenmissionen wird es leider nicht geben. Dabei würde dies das Gesamtbild des Krieges in diesem Spiel endlich abrunden.

Von Panzern und Chauffeuren

Die erste Mission, die ich hier näher betrachten möchte, nennt sich „Through Mud and Blood” (dt. „Durch Morast und Blut“) und findet zeitlich einen Monat vor Kriegsende statt. Man spielt den jungen Briten Danny Edwards, der als ehemaliger Chauffeur vollkommen unerfahren an die Westfront geschickt wird, um in den folgenden Missionsabschnitten den letzten Mark V Panzer Richtung St. Quentin zu steuern. „Black Bess“, so der Name des Panzers, bleibt zwischendurch liegen und so muss man als Spieler nachts aus einem besetzten Dorf Zündkerzen und Reparaturmaterial klauen. Die Mission zeigt auch, wie damals Nachrichten übers Schlachtfeld an die Kommandozentrale übermittelt wurden: per Brieftaube, die man sogar selbst steuert. Für mich einer der Momente des Spiels, die Gänsehaut verursachen, denn aus der Vogelperspektive wird das ganze Ausmaß der Zerstörung ersichtlich. Letztlich überleben nur Edwards und ein weiteres Besatzungsmitglied von „Black Bess“ diese Kampagnenmission.

Im Multiplayer sind bis auf die Map „Wald der Argonnen“ (eine reine Infanteriekarte) immer genügend Panzer für beide Seiten (sogar im Osmanischen Reich) vorhanden, seien es Mark IV, A7Vs oder Renault FT17.

Die ersten britischen Panzer wurden ab 1916 eingesetzt. Die Map „Narbe von St. Quentin“ befindet sich 50 km von Cambrai/Frankreich (sog. „Siegfriedstellung“), dem Ort der ersten historisch stattgefundenen Panzerschlacht im Spätherbst 1917, bei der annähernd 95.000 Soldaten verwundet oder getötet wurden und circa 378 britische bewaffnete Panzer eingesetzt wurden.

Auf deutscher Seite wurden bis Ende des Krieges nur 20 A7V-Panzer gebaut, da die Oberste Heeresleitung den Fokus auf Flugzeuge und U-Boote gelegt hatte und kaum Rohstoffe für Panzer vorhanden waren. Deutsche Panzerkraftwagen waren nur 50 Tage des Krieges im Einsatz, extrem störanfällig und konnten nur Gräben von bis zu 2 Metern Breite überqueren, da sie wegen ihres hoch gelegenen Schwerpunktes einfach umkippten. Traurige Berühmtheit erlangte so z.B. der Panzer „Elfriede“, der in einen Gefechtsstand einbrach und umkippte, woraufhin die Besatzung zu Fuß um ihr Leben weiterkämpfen musste. „Elfriede“ wurde später von den Franzosen zu Testzwecken geborgen (es existiert ein historisches Video auf Youtube).

Umso amüsanter ist es dann natürlich für mich, im Multiplayer so viele A7Vs an den seltsamsten Orten (wie z.B. im Osmanisches Reich) zu sehen, die gegen britische Mark IV/V Panzer antreten. Vom Handling her unterscheiden sich beide Panzer im Spiel kaum, wahrscheinlich auch um im Spiel Chancengleichheit zu gewährleisten. Aber es gleicht schon einem wahren Formel 1-Rennen im Vergleich zur Realität, wenn man weiß, dass Mark IV/V und A7V in Wirklichkeit nur 4km/h bis 6km/h fahren konnten.

Battlefield 1 campaign tank

Es sind MGs (Handmaschinengewehre) für jede Fraktion verfügbar, vieles Prototypen, die eigentlich erst Ende des Krieges produziert wurden und logischerweise nicht in so großer Anzahl unter den Soldaten vorhanden sein konnten. Doch was wäre ein Ego-Shooter ohne MGs? Interessanter Fakt: die verbreitete Lewis Gun (MG) wurde nicht von den Briten, sondern von den Amerikanern eingeführt.

Leinen und Holz kontra Raketen – Popcornkino

In der Storymission „Friends in High Places“ (dt. „Einflussreiche Freunde“), in der man als amerikanischer Hochstapler eine Bristol F2.B der Royal Air Force fliegt, kann man mit Raketen Luftangriffe auf Zeppeline fliegen. Dass ein Doppeldeckerflugzeug zu dieser Zeit Raketen an Bord hatte, ist mir neu, höchstens zwei MGs und 108kg-Bomben zum Abwerfen. Raketen im Ersten Weltkrieg?! Selbst im Zweiten Weltkrieg war dies äußerst selten. Man sollte beachten, dass damals viele Flieger aus Holz, Stoff- beziehungsweise Papierbespannung bestanden. Ein bis zwei Schüsse hätten schon ausgereicht, um einen Doppeldecker zur Landung zu zwingen oder abzuschießen, vor allem die Bristol F2.B, die eigentlich nur zum Observieren und nicht für Dog-Fights konstruiert war.

Dogfight

Außerdem flogen Zeppeline viel höher als damalige Doppeldecker. Erst als Flugzeuge entwickelt wurden, die diese Höhe erreichen konnten, kann man sich Szenen wie in Battlefield 1 vorstellen. Doch dann wurden auch die Zeppeline ausgemustert, sprich: im Kriegsjahr 1917/18 waren diese kaum noch im Dienst, und doch trifft man sie überall im Spiel an, auch als sogenannte „Behemoths“. Bedenkt man, dass Zeppeline aus Baumwoll- oder Leinenstoffbespannung und einem alulegiertem Tragwerk bestehen, ist es sehr kurios, wenn man den riesigen Fluggeräten in der Kampagne oder im Multiplayer nur mit Anti-Air-Guns und Dauerbeschuss mittels Raketen und ähnlichem beikommen kann. Und wenn man sich im Laufe der Storymission „Einflussreiche Freunde“ im Inneren eines brennenden, die Plane verlierenden Zeppelins befindet (welcher nicht abstürzt, weil man nämlich aus einigen hundert Metern Höhe – nach einem heroischen Mann-gegen-Mann-Kampf – noch vom Zeppelin in die Themse springen muss), wird ersichtlich, dass es den Entwicklern wirklich eher um das Spielerlebnis, als um Realitätsnähe geht. Dies war der Punkt, an dem ich mir am liebsten Popcorn für dieses Actionkinofeeling gemacht hätte. Aus Sicht der Spieleentwickler verständlich, musste ich mir als Historikerin doch oft ein Schmunzeln verkneifen. Unterhalten wurde ich allemal.

Zeppelin

One Man Army – Uniformen und Stereotypen

In vielen Spielekritiken lese ich, dass man sich über die Plattenrüstung des italienischen Protagonisten Luca in der vierten Kampagnenmission „Avanti Savoia!“ lustig macht und davon ausgeht, dass diese eine Erfindung seitens DICE sei, um ein gewisses „Terminator“-Feeling beim Spieler hervorzurufen. Man kämpft in den Alpen gegen Österreich-Ungarn und hat durch die schwere Panzerung die man trägt, das Gefühl, unzerstörbar zu sein. Die Arditi (seit Juli 1917, ital. Sturmtruppen mit besonderer Ausbildung und Besoldung) trugen wirklich solche „Corazzas Farinas“, und kämpften mit hohen Verlustraten direkt an der Front, anstatt in Schützengräben.

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir das Artbook zu besorgen, da ich vor allem wegen der Uniformen im Multiplayer doch sehr irritiert war. So wird zugegeben, dass sich die Entwickler beim Design schon einige Freiheiten herausgenommen haben. So verpassten sie den amerikanischen und britischen Soldaten die gleiche Basisuniform, allerdings mit unterschiedlicher Ausrüstung. „We really wanted to include some of the crazy experimental armor and weapons that were developed during this time. […] we added the American experimental Model 8 helmet to the Support class.” Ebenso verfuhren sie mit den Uniformen des Deutschen Kaiserreichs und denen Österreich-Ungarns. Ein Satz, der mich jedoch nachdenklich machte, war folgender:

,,[…] we tried to separate them with shade values so that the Germans and Austro-Hungarians would always look darker, and the armies they were fighting would always look brighter. Some color accents also had to be exaggerated to communicate more clearly whether it’s a friend or foe you see on the battlefield.”

Ich hatte mich schon beim ersten Spielen gewundert, dass die Uniformen farblich an den Zweiten Weltkrieg erinnern und nicht, wie es sein sollte, hellgrau und dunkelblau sind. Stereotypen werden also auch in diesem Spiel hinsichtlich der Deutschen bedient. Selbstverständlich trägt dazu auch bei, dass bis auf die Kavallerie kein deutscher Soldat Pickelhaube trägt, sondern den erst 1916 eingeführten Stahlhelm, der später im Zweiten Weltkrieg weiter Verwendung fand.

Doch möchte ich hier nicht nur über Uniformen und Ausrüstung reden, das kann Gegenstand eines separaten Artikels werden. Ein Aspekt, der mir vor allem im Multiplayer aufgefallen ist, ist die Verwendung von Senfgasgranaten. Ja, Granaten! Zwar kann man Schaden durch das schnelle Aufsetzen der Gasmaske vermeiden, doch man kann auch einfach schnell hustend aus der Wolke rennen und ausweichen. Dies hat mit dem realen Einsatz von „Senfgaskanistern“, wie z.B. in Ypern (siehe meinen Artikel zu Valiant Hearts), kaum etwas zu tun und erfüllt hier nur einen taktischen Aspekt, um Gegnern die Sicht zu nehmen, etwas Schaden zuzufügen oder um sie aus einem Bunker heraus zu scheuchen. Battlefield 1 verharmlost im Multiplayereinsatz geradezu diese wohl gefährlichste Waffe des Ersten Weltkrieges.

Abschließende Gedanken zu Battlefield 1

Selbstverständlich kann man von einem Ego-Shooter nicht die erzählerische Tiefe eines „Valiant Hearts: The Great War“ erwarten. Dies wäre auch zu viel verlangt, obwohl technisch möglich. Doch der Reiz von Battlefield lag seit jeher in den Multiplayergefechten und nicht im Storytelling. Und dies erwarten auch die Stammspieler. Tiefsinnige, moralische Geschichten und Action vertragen sich selten so gut wie bei „Bioshock: Infinite“ oder „Spec Ops: The Line – und noch weniger in Spielen mit Multiplayermodus, wie Battlefield.

Ich finde die Kampagnenmissionen allesamt gelungen, auch wenn mir, wie vielen anderen Spielern, eine deutsche, französische oder russische Sichtweise in der Kampagne fehlt. Doch durch die teilweise bis dato in Spielen unbekannten Schauplätze, wie z.B. in der fünften Kampagnenmission „Nichts steht geschrieben“ um T. E. Lawrence (von Arabien), wird die Globalität dieses Krieges ersichtlich. Zwar ist die Beduinin Zara Ghufran ein fiktionaler Charakter und ich hätte mir mehr Tiefe bei einigen Charakterzeichnungen gewünscht, doch zumindest macht DICE dies wieder gut, indem am Ende jeder Storymission noch ein teilweise kritischer Text à la „Und was geschah dann…?“ eingeblendet wird. So wird bei T.E. Lawrence darauf hingewiesen, dass seine Rolle trotz all der orientalischen Romantik und seines Guerilladaseins, heute zunehmend kritisch diskutiert wird. So verhalf er den arabischen Stämmen zwar zur Unabhängigkeit vom osmanischen Reich. Doch sehen wir heute, was aus dem Staatengebilde und dem Kampf um Öl geworden ist, war es – um es salopp auszudrücken – womöglich doch keine so gute Idee?

Man kann über Battlefield 1 sagen was man will: als einfaches Game betrachtet, macht es mir als Spieler (vor allem im MP) viel Spaß, auch wenn ich einigen historischen Hardlinern mit dieser Aussage wohl auf den Schlips trete. Doch ich denke, man muss bei all den Dingen, die ich erwähnt habe, daran denken dass das Spiel von Anfang an nie einen Bildungsaspekt verfolgt hat und ein Ego-Shooter ist. Letztlich ist und bleibt es ein Battlefield-Game. Wenn Leute aufgrund der Thematik auf den Geschmack gekommen sind und beginnen, sich für die Epoche des Ersten Weltkrieges zu interessieren, ist das aus meiner Sicht jedoch schon die halbe Miete. Auch mit diesem Artikel hoffe ich, Lust auf mehr gemacht zu haben.

Assassin’s Creed (The Movie) Templer in Granada – Inquisition und Reconquista (Teil 2)

Wichtig: Dieser Blog-Artikel besteht aufgrund der Länge aus Zwei Teilen, Teil Eins findest du hier: Link

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Torquemada, der Großinquisitor (im Film verkörpert durch Javier Gutiérrez), leitete die längste Phase der Judenverfolgung zwischen 1480 bis 1530 während der spanischen Inquisition. Im Gegensatz zur mittelalterlichen Inquisition, die in allen europäischen Ländern präsent war, war die 1478 gegründete spanische Inquisition ein, der Krone untergeordnetes, Gericht. So erscheint es geradezu übertrieben welche Macht Torquemada im Film als angeblicher Vertreter der Templer gegenüber der Königin Isabel und Ferdinand besitzt. Der Film präsentiert generell eine „alternative History“, in der die Templer hinter der spanischen Inquisition stehen und planen Granada zu übernehmen, was rein chronologisch (wie bereits in Teil I meines Artikels angemerkt) gar nicht möglich ist. Am 2. Januar 1492, gehörte Granada bereits wieder offiziell den katholischen Königen. Und dies scheinen die Templer auch nur aus der Motivation heraus zu tun, um den Eden Apfel (ein magisches Artefakt) in ihren Besitz zu bringen. Und die spanischen Könige schauen nur zu. Die wahre Geschichte wird komplett ad acta gelegt.

Im Gegensatz zu Frankreich, wurden die Templer im 15. Jahrhundert in Spanien nicht verfolgt, doch wurde der Orden am Ende der Reconquista aufgelöst. Seine Besitztümer gingen an die spanischen Könige, die zudem den Platz der Großmeister einnahmen. Teile des Ordens existierten als diverse militärische Ritterorden weiter, die in abgeschwächter Form alte Ziele weiterverfolgten (Bewahrung des Christentums). Zu nennen sind der Santiagoorden (um 1170 gegründet), der Orden von Montesa (um 1316), Calatravaorden (um 1148) oder der Alcántaraorden (um 1156), die teilweise bis heute fortbestehen und Mitglieder des spanischen Königshauses in ihren Reihen zählen. Dass der Templerorden zur Zeit des Filmes in dem Sinne nicht mehr als DER EINE Templerorden in Spanien bestand, wird mit keiner Silbe erwähnt. Für die Filmemacher existiert er einfach in unveränderter Form bis ins 21. Jahrhundert weiter und auf die spanischen, neugeschaffenen, ich sage mal „Ersatzorden“ wird nicht eingegangen, dabei hätte dies so viel spannenden Stoff für die Assassin‘s Creed Games zu bieten…

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Doch zurück zum Autodafé: im Gegensatz zum Film nahmen weder die kirchlichen Würdeträger NOCH die Könige an öffentlichen Exekutionen oder Verbrennungen teil. Philip II. schrieb zwar später er möge die Autodafés, jedoch wegen des Pomp und der Zeremonien, nicht wegen der Hinrichtungen. Die Verurteilten trugen zudem eine Art Poncho und wurden während dieser Akte nicht exekutiert. Die, die zu Tode verurteilt waren, wurden dem königlichen Gericht übergeben, die dann das Urteil ohne die Anwesenheit der Autoritäten vollstreckten (wer will sich das auch schon selber als König/Königin antun?). Dabei war, wie schon angemerkt, die Verbrennung auf dem Scheiterhaufen nicht die üblichste Vorgehensweise: diese reichte nämlich vom Entrichten von Strafzahlungen bis hin zum Dienst auf Galeeren für eine bestimmte Zeit. In sehr drastischen Fällen kam die Verbrennung zum Tragen, wobei die Menschen vorher gehängt und nicht lebendigen Leibes verbrannt wurden, dies kam laut Henry Kamen ziemlich selten vor. In dieser Zeit wurden nach dem Historiker Juan Antonio Llorente jedoch circa 10.000 Menschen exekutiert. Studien von Henry Kamen reduzieren die Anzahl sogar auf nur 2.000 bis zum Jahre 1530.

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Autodafé auf der Plaza Mayor in Madrid am 30. Juni 1680 (Gemälde von Francisco Risi, 1683)

Während Folterungen stattfanden, war zudem, im Gegensatz zu anderen Zivilgerichten Europas, ein Arzt zugegen und der Inquisitor hatte die Verpflichtung, den Befragten währen der Prozedur am Leben zu halten. Jedes Wort und Stöhnen wurde penibel von Sekretären beim Verhör aufgezeichnet. Die Geständnisse und Äußerungen während der Folter waren nicht rechtskräftig, sondern mussten innerhalb von 24-Stunden nochmal ohne Folter ratifiziert werden.

Letzten Endes, und damit komme ich mit meinem inzwischen sehr ausufernden Artikel zum Schluss: die Darstellung Königin Isabellas I. von Kastilien. Selbst nicht-Historikern werden die seltsam anmutenden Tattoos in ihrem Gesicht aufgefallen sein. Tattoos? Bei einer katholischen Königin im 15. Jahrhundert? Wer hat sich das denn einfallen lassen? Um die bösen katholischen Widersacher der Assassinen noch verruchter aussehen zu lassen? Ich habe mich im Kino amüsiert. Isabella I. wird wie eine Gothic-Braut dargestellt. Die Spanier, die Isabella I. als „christliche Schönheit“ bezeichnen, da sie blondes Haar hatte und sehr gläubig war, schütteln verständlicherweise nur den Kopf.

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Abgesehen von der Darstellung Isabellas I. und dem chronologischen Fehler 1492, muss man dem Film natürlich zugestehen, dass es sich um eine Videospielverfilmung handelt, die keinen Anspruch auf historische Genauigkeit erhebt. Ich mag ihn, er ist schlicht und funktioniert – auch wenn ich wirklich mehr als ein Auge zudrücken muss für diese Aussage. Allerdings hätten sich die Filmemacher darüber im Klaren sein müssen, dass gerade das Assassin’s Creed Franchise von seiner Verbindung mit historischen Ereignissen lebt und Fans, im Gegensatz manch anderen Spielern genauer auf historische Korrektheit und „Easter Eggs“ achten. Nichtsdestotrotz darf man bei einem Film nicht die künstlerische Freiheit ignorieren. Der Assassin’s Creed Film steht für sich allein, da es in der Spielereihe bis dato noch kein Game gab, dass sich mit der spanischen Inquisition und Reconquista auseinandersetzt, und er steht auch für unterhaltsames Kino. Daran sollten viele Kritiker des Films denken.

Copyright Filmausschnittbilder: (Images by courtesy of 20th Century Fox), Gemäldeabbildungen & Flaggen: allgemeinfrei.

Weiterführende Links:

Offizielle Website des Films
Dokumentation über Granada und die Alhambra
Die Reconquista als Zeitleiste
New York Times über Henry Kamen’s Sicht auf die Inquisition