Eine Wundertüte des Ersten Weltkriegs: Battlefield 1 aus Sicht eines Historikers

Hier mein Artikel der bis dato nur auf Spielkritik.com zu lesen war…mit einem kleinen Update am Ende des Artikels, usw….Danke an alle meine Leser, die mich unterstützen!

1914 und hundert Jahre später…

Lange warteten Fans der Battlefield-Reihe auf ein Setting im Ersten Weltkrieg. Battlefield 1 erschien im Oktober 2016 und wurde, genau wie seine Vorgänger, von Digital Illusions Creative Entertainment AB (DICE) in Schweden entwickelt.

Die Geschichte des Ersten Weltkrieges kennen viele noch aus der Schulzeit. 2014 waren es 100 Jahre, dass sich die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ ereignete. In Medien, Dokumentationen, ja auch in Videospielen (wie z.B. Valiant Hearts) wurde eine Erinnerungskultur praktiziert, die wohl doch an den meisten vorbeiging oder aufgrund übertriebenen medialen Inputs und moralischen Diskussionen gerade von jungen Leuten ignoriert wurde. Zu sehr sind viele es leid, immer wieder mit moralisch erhobenem Zeigefinger an die Kriege Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert zu werden.

100 Jahre sind lange her. Und wir, die wir in Westeuropa leben, kennen seit circa 70 Jahren in unseren eigenen Gefilden den Krieg nur aus Filmen (meist aus Hollywood) oder eben Videospielen. Selbstverständlich schafft dies eine unwirkliche Distanz zu unserer Vergangenheit. Vielleicht ist dies gut, vielleicht auch nicht. Bedenken sollte man, dass vor allem bei der Battlefield-Serie, die auch andere Kriege des 20. Jahrhunderts behandelt, mitunter auch der amerikanische Markt bedient wird. Und viele Amerikaner und Nicht-Europäer haben über den Ersten Weltkrieg, zumindest aus medialer Sicht, wenig Kenntnis über die Ursachen und Ausmaße dieses Krieges. Meistens, zumindest fiel mir dies in vielen Foren auf, wird der Erste Weltkrieg mit dem Zweiten Weltkrieg von vielen jungen Amerikanern  gleichgesetzt oder gar „vermengt“. Es ist schon seltsam, wenn man Posts liest, die Soldaten des Kaiserreichs unter Wilhelm II. als „Nazis“ bezeichnen.

Warum dieser Krieg bis dato ein solches Nieschendasein in Spielen führte, kann ich mir nur folgendermaßen vereinfacht(!) erklären: Durch die teils komplizierten Bündnissysteme, die sich änderten oder verschoben und das Fehlen eines klaren Feindbildes, ist es selbst heute noch schwer ein Spiel zu konzipieren, dass jeder Partei des Ersten Weltkrieges politisch und moralisch gerecht wird.

„Durch die Wolken ein Lichtstrahl auf die Welt jenseits des Krieges fällt.”

Nachdem ich nun die fünf Kampagnenmissionen zwei Mal durchgespielt habe und im Multiplayer Rang 40 erreichte, denke ich, dass ich mir als Historikerin selbst ein umfassendes Bild vom Spiel machen konnte. Um ein dynamisches Gameplay zu gewährleisten, blieb DICE oft nichts anderes übrig, als teilweise historisch inakkurate Elemente einzubauen. So wäre es zumeist undenkbar gewesen ohne Deckung über die Felder zu rennen, um den Feind Mann gegen Mann anzugreifen, wie es im Multiplayer oft der Fall ist. Nicht umsonst spricht man beim Ersten Weltkrieg von einem Stellungskrieg, der meist liegend oder in Schützengräben kauernd ausgefochten wurde.

Als Prolog zum eigentlichen Spiel dient die Mission „Storm of Steel“ (dt. „In Stahlgewittern“). Sicherlich wurde der Name dieser Mission in Anlehnung an Ernst Jüngers Buch „In Stahlgewittern“ gewählt, das 1920 erschien und das ganze Ausmaß des Stellungskrieges in den Gräben erzählt.

Man spielt Soldaten des 369. amerikanischen Infanterieregiments (die Harlem Hellfighters, Afroamerikaner) an der Seite ihrer französischen und britischen Verbündeten an der Westfront im Jahre 1918. Das Besondere in diesem Spielabschnitt ist, dass man gar keine Chance hat zu gewinnen: stirbt man, wechselt die Kamera zu einem anderen Soldaten, dessen Steuerung man dann übernimmt. Nach jedem digitalen Tod wird ein Name samt Geburts- und Sterbejahr eingeblendet. Daten, welche von Playthrough zu Playthrough variieren. Ich finde die Inszenierung sehr eindrucksvoll, macht sie doch dem Spieler zu Beginn gleich klar: dein Leben hängt von Glück und Zufall in diesem Krieg ab und du wirst nicht immer auf der Gewinnerseite stehen können. Hier wird ein zwingender Zusammenhang mit realen Kriegsgeschehnissen hergestellt.

Nach einigen digitalen Toden landet man beim namenlosen letzten Soldaten der Harlem Hellfighters, der sich einem deutschen Soldaten gegenüber sieht, hält jedoch genauso inne wie sein Gegenüber. Beide legen resigniert die Waffen nieder. In meinen Augen ein Symbol für die Sinnlosigkeit des Ersten Weltkrieges. Video des Prologs (ohne Audio-Kommentar).

Doch was macht ein Harlem Hellfighter an der Europäischen Westfront? Nun, 1917 waren die USA und Griechenland der Entente beigetreten. Generell sollte man beim Spielen beachten, dass sich DICE, was das Equipment der Soldaten und die Zeitleiste betrifft, nicht auf den Anfang des Krieges 1914-1916 konzentriert, sondern die letzten Kriegsmonate und Jahre beleuchtet. Auch deshalb wurde vermutlich auf eine deutsche Kampagnenmission verzichtet. Die Ostfront wird im Spiel komplett ausgeklammert. Mit dem kommenden DLC „They shall not Pass“, sollen nun jedoch zumindest im Multiplayer die französischen Streitkräfte vertreten sein. Dies ist nur legitim, zumal im Spiel schon französische Panzer zum Einsatz kommen. Ein DLC, der russische Streitkräfte einführt, soll ebenfalls in Zukunft erscheinen, auch wenn das Zarenreich Ende 1917 im Zuge der Oktoberrevolution nicht mehr am Krieg teilnahm. Kampagnenmissionen wird es leider nicht geben. Dabei würde dies das Gesamtbild des Krieges in diesem Spiel endlich abrunden.

Von Panzern und Chauffeuren

Die erste Mission, die ich hier näher betrachten möchte, nennt sich „Through Mud and Blood” (dt. „Durch Morast und Blut“) und findet zeitlich einen Monat vor Kriegsende statt. Man spielt den jungen Briten Danny Edwards, der als ehemaliger Chauffeur vollkommen unerfahren an die Westfront geschickt wird, um in den folgenden Missionsabschnitten den letzten Mark V Panzer Richtung St. Quentin zu steuern. „Black Bess“, so der Name des Panzers, bleibt zwischendurch liegen und so muss man als Spieler nachts aus einem besetzten Dorf Zündkerzen und Reparaturmaterial klauen. Die Mission zeigt auch, wie damals Nachrichten übers Schlachtfeld an die Kommandozentrale übermittelt wurden: per Brieftaube, die man sogar selbst steuert. Für mich einer der Momente des Spiels, die Gänsehaut verursachen, denn aus der Vogelperspektive wird das ganze Ausmaß der Zerstörung ersichtlich. Letztlich überleben nur Edwards und ein weiteres Besatzungsmitglied von „Black Bess“ diese Kampagnenmission.

Im Multiplayer sind bis auf die Map „Wald der Argonnen“ (eine reine Infanteriekarte) immer genügend Panzer für beide Seiten (sogar im Osmanischen Reich) vorhanden, seien es Mark IV, A7Vs oder Renault FT17.

Die ersten britischen Panzer wurden ab 1916 eingesetzt. Die Map „Narbe von St. Quentin“ befindet sich 50 km von Cambrai/Frankreich (sog. „Siegfriedstellung“), dem Ort der ersten historisch stattgefundenen Panzerschlacht im Spätherbst 1917, bei der annähernd 95.000 Soldaten verwundet oder getötet wurden und circa 378 britische bewaffnete Panzer eingesetzt wurden.

Auf deutscher Seite wurden bis Ende des Krieges nur 20 A7V-Panzer gebaut, da die Oberste Heeresleitung den Fokus auf Flugzeuge und U-Boote gelegt hatte und kaum Rohstoffe für Panzer vorhanden waren. Deutsche Panzerkraftwagen waren nur 50 Tage des Krieges im Einsatz, extrem störanfällig und konnten nur Gräben von bis zu 2 Metern Breite überqueren, da sie wegen ihres hoch gelegenen Schwerpunktes einfach umkippten. Traurige Berühmtheit erlangte so z.B. der Panzer „Elfriede“, der in einen Gefechtsstand einbrach und umkippte, woraufhin die Besatzung zu Fuß um ihr Leben weiterkämpfen musste. „Elfriede“ wurde später von den Franzosen zu Testzwecken geborgen (es existiert ein historisches Video auf Youtube).

Umso amüsanter ist es dann natürlich für mich, im Multiplayer so viele A7Vs an den seltsamsten Orten (wie z.B. im Osmanisches Reich) zu sehen, die gegen britische Mark IV/V Panzer antreten. Vom Handling her unterscheiden sich beide Panzer im Spiel kaum, wahrscheinlich auch um im Spiel Chancengleichheit zu gewährleisten. Aber es gleicht schon einem wahren Formel 1-Rennen im Vergleich zur Realität, wenn man weiß, dass Mark IV/V und A7V in Wirklichkeit nur 4km/h bis 6km/h fahren konnten.

Battlefield 1 campaign tank

Es sind MGs (Handmaschinengewehre) für jede Fraktion verfügbar, vieles Prototypen, die eigentlich erst Ende des Krieges produziert wurden und logischerweise nicht in so großer Anzahl unter den Soldaten vorhanden sein konnten. Doch was wäre ein Ego-Shooter ohne MGs? Interessanter Fakt: die verbreitete Lewis Gun (MG) wurde nicht von den Briten, sondern von den Amerikanern eingeführt.

Leinen und Holz kontra Raketen – Popcornkino

In der Storymission „Friends in High Places“ (dt. „Einflussreiche Freunde“), in der man als amerikanischer Hochstapler eine Bristol F2.B der Royal Air Force fliegt, kann man mit Raketen Luftangriffe auf Zeppeline fliegen. Dass ein Doppeldeckerflugzeug zu dieser Zeit Raketen an Bord hatte, ist mir neu, höchstens zwei MGs und 108kg-Bomben zum Abwerfen. Raketen im Ersten Weltkrieg?! Selbst im Zweiten Weltkrieg war dies äußerst selten. Man sollte beachten, dass damals viele Flieger aus Holz, Stoff- beziehungsweise Papierbespannung bestanden. Ein bis zwei Schüsse hätten schon ausgereicht, um einen Doppeldecker zur Landung zu zwingen oder abzuschießen, vor allem die Bristol F2.B, die eigentlich nur zum Observieren und nicht für Dog-Fights konstruiert war.

Dogfight

Außerdem flogen Zeppeline viel höher als damalige Doppeldecker. Erst als Flugzeuge entwickelt wurden, die diese Höhe erreichen konnten, kann man sich Szenen wie in Battlefield 1 vorstellen. Doch dann wurden auch die Zeppeline ausgemustert, sprich: im Kriegsjahr 1917/18 waren diese kaum noch im Dienst, und doch trifft man sie überall im Spiel an, auch als sogenannte „Behemoths“. Bedenkt man, dass Zeppeline aus Baumwoll- oder Leinenstoffbespannung und einem alulegiertem Tragwerk bestehen, ist es sehr kurios, wenn man den riesigen Fluggeräten in der Kampagne oder im Multiplayer nur mit Anti-Air-Guns und Dauerbeschuss mittels Raketen und ähnlichem beikommen kann. Und wenn man sich im Laufe der Storymission „Einflussreiche Freunde“ im Inneren eines brennenden, die Plane verlierenden Zeppelins befindet (welcher nicht abstürzt, weil man nämlich aus einigen hundert Metern Höhe – nach einem heroischen Mann-gegen-Mann-Kampf – noch vom Zeppelin in die Themse springen muss), wird ersichtlich, dass es den Entwicklern wirklich eher um das Spielerlebnis, als um Realitätsnähe geht. Dies war der Punkt, an dem ich mir am liebsten Popcorn für dieses Actionkinofeeling gemacht hätte. Aus Sicht der Spieleentwickler verständlich, musste ich mir als Historikerin doch oft ein Schmunzeln verkneifen. Unterhalten wurde ich allemal.

Zeppelin

One Man Army – Uniformen und Stereotypen

In vielen Spielekritiken lese ich, dass man sich über die Plattenrüstung des italienischen Protagonisten Luca in der vierten Kampagnenmission „Avanti Savoia!“ lustig macht und davon ausgeht, dass diese eine Erfindung seitens DICE sei, um ein gewisses „Terminator“-Feeling beim Spieler hervorzurufen. Man kämpft in den Alpen gegen Österreich-Ungarn und hat durch die schwere Panzerung die man trägt, das Gefühl, unzerstörbar zu sein. Die Arditi (seit Juli 1917, ital. Sturmtruppen mit besonderer Ausbildung und Besoldung) trugen wirklich solche „Corazzas Farinas“, und kämpften mit hohen Verlustraten direkt an der Front, anstatt in Schützengräben.

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir das Artbook zu besorgen, da ich vor allem wegen der Uniformen im Multiplayer doch sehr irritiert war. So wird zugegeben, dass sich die Entwickler beim Design schon einige Freiheiten herausgenommen haben. So verpassten sie den amerikanischen und britischen Soldaten die gleiche Basisuniform, allerdings mit unterschiedlicher Ausrüstung. „We really wanted to include some of the crazy experimental armor and weapons that were developed during this time. […] we added the American experimental Model 8 helmet to the Support class.” Ebenso verfuhren sie mit den Uniformen des Deutschen Kaiserreichs und denen Österreich-Ungarns. Ein Satz, der mich jedoch nachdenklich machte, war folgender:

,,[…] we tried to separate them with shade values so that the Germans and Austro-Hungarians would always look darker, and the armies they were fighting would always look brighter. Some color accents also had to be exaggerated to communicate more clearly whether it’s a friend or foe you see on the battlefield.”

Ich hatte mich schon beim ersten Spielen gewundert, dass die Uniformen farblich an den Zweiten Weltkrieg erinnern und nicht, wie es sein sollte, hellgrau und dunkelblau sind. Stereotypen werden also auch in diesem Spiel hinsichtlich der Deutschen bedient. Selbstverständlich trägt dazu auch bei, dass bis auf die Kavallerie kein deutscher Soldat Pickelhaube trägt, sondern den erst 1916 eingeführten Stahlhelm, der später im Zweiten Weltkrieg weiter Verwendung fand.

Doch möchte ich hier nicht nur über Uniformen und Ausrüstung reden, das kann Gegenstand eines separaten Artikels werden. Ein Aspekt, der mir vor allem im Multiplayer aufgefallen ist, ist die Verwendung von Senfgasgranaten. Ja, Granaten! Zwar kann man Schaden durch das schnelle Aufsetzen der Gasmaske vermeiden, doch man kann auch einfach schnell hustend aus der Wolke rennen und ausweichen. Dies hat mit dem realen Einsatz von „Senfgaskanistern“, wie z.B. in Ypern (siehe meinen Artikel zu Valiant Hearts), kaum etwas zu tun und erfüllt hier nur einen taktischen Aspekt, um Gegnern die Sicht zu nehmen, etwas Schaden zuzufügen oder um sie aus einem Bunker heraus zu scheuchen. Battlefield 1 verharmlost im Multiplayereinsatz geradezu diese wohl gefährlichste Waffe des Ersten Weltkrieges.

Abschließende Gedanken zu Battlefield 1

Selbstverständlich kann man von einem Ego-Shooter nicht die erzählerische Tiefe eines „Valiant Hearts: The Great War“ erwarten. Dies wäre auch zu viel verlangt, obwohl technisch möglich. Doch der Reiz von Battlefield lag seit jeher in den Multiplayergefechten und nicht im Storytelling. Und dies erwarten auch die Stammspieler. Tiefsinnige, moralische Geschichten und Action vertragen sich selten so gut wie bei „Bioshock: Infinite“ oder „Spec Ops: The Line – und noch weniger in Spielen mit Multiplayermodus, wie Battlefield.

Ich finde die Kampagnenmissionen allesamt gelungen, auch wenn mir, wie vielen anderen Spielern, eine deutsche, französische oder russische Sichtweise in der Kampagne fehlt. Doch durch die teilweise bis dato in Spielen unbekannten Schauplätze, wie z.B. in der fünften Kampagnenmission „Nichts steht geschrieben“ um T. E. Lawrence (von Arabien), wird die Globalität dieses Krieges ersichtlich. Zwar ist die Beduinin Zara Ghufran ein fiktionaler Charakter und ich hätte mir mehr Tiefe bei einigen Charakterzeichnungen gewünscht, doch zumindest macht DICE dies wieder gut, indem am Ende jeder Storymission noch ein teilweise kritischer Text à la „Und was geschah dann…?“ eingeblendet wird. So wird bei T.E. Lawrence darauf hingewiesen, dass seine Rolle trotz all der orientalischen Romantik und seines Guerilladaseins, heute zunehmend kritisch diskutiert wird. So verhalf er den arabischen Stämmen zwar zur Unabhängigkeit vom osmanischen Reich. Doch sehen wir heute, was aus dem Staatengebilde und dem Kampf um Öl geworden ist, war es – um es salopp auszudrücken – womöglich doch keine so gute Idee?

Man kann über Battlefield 1 sagen was man will: als einfaches Game betrachtet, macht es mir als Spieler (vor allem im MP) viel Spaß, auch wenn ich einigen historischen Hardlinern mit dieser Aussage wohl auf den Schlips trete. Doch ich denke, man muss bei all den Dingen, die ich erwähnt habe, daran denken dass das Spiel von Anfang an nie einen Bildungsaspekt verfolgt hat und ein Ego-Shooter ist. Letztlich ist und bleibt es ein Battlefield-Game. Wenn Leute aufgrund der Thematik auf den Geschmack gekommen sind und beginnen, sich für die Epoche des Ersten Weltkrieges zu interessieren, ist das aus meiner Sicht jedoch schon die halbe Miete. Auch mit diesem Artikel hoffe ich, Lust auf mehr gemacht zu haben.

Mini-Pressespiegel zu Battlefield 1 (23.10.2016) – verpufftes Potenzial?

….zumindest aus Sicht eines Historikers. Da ich das Spiel selber noch nicht gespielt habe möchte ich mir auch kein eigenes Urteil anmaßen und habe Euch die für mich prägnantesten Artikel und Zitate aus dem Netz zusammengestellt, sodass Ihr Euch Eure eigene Meinung bilden könnt. Ein ausführliches Review wird es natürlich geben, sobald ich Battlefield 1 selbst gespielt habe. Doch die Zitate spiegeln so ziemlich wieder, wie ich dem Spiel nun gegenüberstehe (p.s. ich spiele keinen BF Multiplayer, bitte beachtet beim Lesen, dass es mir überwiegend um die Kampagne wichtig bestellt war).

„Battlefield 1“ im Test – Darf der Erste Weltkrieg echt Spaß machen?

(spiegel.de/netzwelt, Tobias Hanraths)

[…] In allen Szenarien erlebt der Spieler den Krieg aus Sicht der Alliierten – deutsche Protagonisten gibt es in der Kampagne nicht. Und selbst Russland und Frankreich, zwei Hauptakteure des Ersten Weltkriegs, spielen rätselhafterweise kaum eine Rolle. […]

[…] Trotzdem gelingt das Spiel mit verschiedenen Perspektiven, weil es den Krieg auf persönliche Schicksale herunterbricht. Die Hauptfiguren der fünf Szenarien wollen den Krieg in der Regel nicht gewinnen, sondern nur überleben. Tiefschürfende Dramen dürfen Spieler nicht erwarten, trotzdem funktionieren die simplen Geschichten ganz gut. Vereinzelt lassen sie sogar Raum für leise Momente – auch wenn die oft kitschig und manchmal unfreiwillig komisch sind. […]

Battlefield 1 im Test-Tagebuch: Die Einzelspieler-Kampagne – Pathos, Panzer und verpufftes Potential

(giga.de, Alexander Gehlsdorf)

[…] Die Story Durch Morast und Blut versetzt Dich in die Haut eines britischen Panzerfahrers, der sich in den letzten Kriegsmonaten hinter feindlichen Linien behaupten muss. Einflussreiche Freunde erzählt die Geschichte eines amerikanischen Hochstaplers, der sich als britischer Pilot ausgibt und schon bald dem Ernst des Krieges gegenübersteht. In Avanti Savoia! begibst Du dich in den italienischen Alpen auf die Suche nach deinem besten Freund, während Du in Der Meldegänger auf australischer Seite wichtige Nachrichten während der Schlacht von Gallipoli überbringst. Nichts steht geschrieben schickt Dich schließlich als Beduinin Zara gemeinsam mit Lawrence von Arabien auf Guerilla-Missionen, um einen schwer gepanzerten Zug des Osmanischen Reiches zu zerstören. […]

[…] Das Potential der War Stories schöpft Battlefield 1 trotz dieser breiten Aufstellung dennoch nicht aus. Es illustriert zwar verschiedene Schauplätze des Ersten Weltkriegs, spielbar sind diese jedoch stets nur auf Seiten der späteren Siegermächte. […]

[…] Spätestens nachdem ich in Avanti Savoia! in eine Ritterrüstung schlüpfe und mit dem MG im Alleingang unzählige Feinde niedermähe, wird die Kampagne jedoch wieder zur bemühten Popcorn-Schießbude und trägt nichts dazu bei, den Ersten Weltkrieg historisch korrekt aufzuarbeiten. […]

[…] Nachdem Dice bekanntgegeben hatte, dass Battlefield 1 im Ersten Weltkrieg spielt, gab es berechtigte Kritik und Diskussionen an dieser Entscheidung. Für Verwunderung hat dann in Deutschland unter anderem die USK gesorgt, die dem Spiel ohne inhaltliche Schnitte eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt hat. Wer sich eine Weile mit dem Spiel beschäftigt hat, kann das dann aber vermutlich gut nachvollziehen. […]

Kaiserschlacht und Kriegstauben der Spitzenklasse

(golem.de, Peter Steinlechner)

[…] Trotz einiger makabrer Nahkampfmanöver wirkt der Titel so gut wie gar nicht blutrünstig oder kriegslüstern. Dice zeigt die dunkle Seite der damaligen Zeit an einigen Stellen sehr eindrücklich auf, aber davon abgesehen wirkt das Ganze eher wie ein großes Abenteuer – ähnlich wie das einige Filme ja auch machen. Am ehesten noch kritikwürdig finden wir die Art, wie das im Krieg leider verwendete Massenvernichtungsmittel Giftgas im Spiel auftaucht: nämlich als eklig-grüne Wolke, die uns zum Husten bringt und ein paar Gesundheitspunkte abzieht – das ist schon sehr verharmlosend. […]

[…] Dice zeigt durchaus, welche furchtbaren Gräuel damals stattgefunden haben. Trotzdem können wir die Altersfreigabe „ab 16“ inzwischen nachvollziehen. Gut finden wir unter anderem, dass es so gut wie keine unangenehmen nationalistischen Töne gibt. Wir haben nie darauf geachtet, für welches Land wir jeweils angetreten sind. […]

[…] Lediglich der Einzelspielermodus ist keine Spitzenklasse. Ein paar der Missionen erzählen zwar glaubwürdig vom Grauen des Ersten Weltkriegs. Aber was den Wow-Faktor, die Effekte und Überraschungen angeht, bieten etwa die Kampagnen der letzten Call of Duty sehr viel mehr. Für Einzelspieler lohnt sich die Anschaffung also nicht unbedingt. Wer Multiplayermatches und vielleicht auch die Vorgänger mag, kommt um Battlefield 1 aber nicht herum. […]

 

 

Die kleine Perle: Valiant Hearts – The Great War –

Oder auch: „Soldats inconnus : Mémoires de la Grande Guerre„…hier der offizielle Trailer von 2014, den ich Euch vorweg ans Herz lege:

Die kleine Perle, um die es heute geht, versucht dem Spieler die Schrecken des Ersten Weltkrieges (1914-1918) näherzubringen. Ich habe das Spiel von Ubisoft Montpellier (2014) schon in anderen Artikeln erwähnt, wenn es um den Ersten Weltkrieg oder um schönes Storytelling ging. Warum dieser Krieg ein solches Nieschendasein bis dato führt, kann ich mir nur folgendermaßen vereinfacht(!) erklären: Durch die teils komplizierten Bündnissysteme, die sich änderten oder verschoben und das Fehlen eines klaren Feindbildes, ist es selbst heute noch schwer ein Spiel zu konzipieren, dass jeder Partei politisch und moralisch gerecht wird.

Im Gegensatz hierzu ist es für die Spieledesigner im Zweiten Weltkrieg viel einfacher: der teuflische Hitler und die Nazis gegen den Rest der Welt, die Westmächte. Wie in manchen James Bond Filmen aus Zeiten des Kalten Krieges, in welchen sowjetische Filmbösewichte auf der Leinwand ihr Unwesen möglichst mit Atomwaffen trieben. Das klassische „Gut gegen Böse“-Konzept. Kommen wir zurück auf Valiant Hearts. Ich vermeide Spoiler möglichst, und wenn es nicht anders geht, dann markiere ich sie.

Mein erster Eindruck war: kann das funktionieren? Ein Adventure-Puzzle-Spiel mit süßen Comiccharakteren im Ersten Weltkrieg? Ob das gut geht? Letztlich siegte (wie so oft bei mir) die Neugier. Die Game-Engine ist die bereits aus „Rayman Origins“ und „Child of Light“ bekannte UbiArt Framework, erstmals 2010 eingesetzt.

Die Charaktere:

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Coypright: Ubisoft Montpellier

Inspiriert von Briefen real existierender Soldaten von der Front, hat sich jemand bei Ubisoft tief in die Materie eingearbeitet, um uns authentische Charaktere zu bieten, auch wenn diese natürlich nie real existiert haben. Dies merkt man zum Beispiel daran, dass ihre vier Geschichten zu gut ineinandergreifen. Natürlich ist dies nicht schlecht und nimmt den Spieler sehr schnell emotional ein. Erzählt wird die Geschichte von gleich vier Charakteren. Wir haben Karl, einen jungen Deutschen der in den Krieg geschickt wird. Mit Marie, einer Französin, hat er ein gemeinsames Kind. Und wir haben Emile, einen französischen etwas älteren Bauern. Er ist Karls Schwiegervater und wird ebenfalls auf Seite der Franzosen eingezogen. Emile lernt am Bahnhof auf dem Weg zur Front den Amerikaner Freddie kennen, der zur Zeit als die Bomben fielen, mit seiner Frau auf Hochzeitsreise in Paris war. Tragischer Weise starb sie ebendort, weshalb er auf Rache sinnt. Im Verlauf der Story lernt man auch Ana, eine Sanitäterin aus Belgien kennen, die zwischen Herkunft und Uniform der Verwundeten keinen Unterschied macht. Begleitet werden alle Protagonisten abwechselnd von Walt, einem Rettungshund, der sich wirklich als bester Freund des Menschen entpuppt (und das nicht nur, weil er bei Rätseln hilft). Man begleitet alle Charaktere bis zum Ende des Krieges und ihre Wege kreuzen sich, im guten wie im schlechten Sinne.

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Copyright: Ubisoft Montpellier

Das Besondere:

Zunächst besticht das Spiel dadurch, dass alle Personen ins „kalte Wasser“ geworfen werden, und das Spiel der Charakterzeichnung einen höheren Wert einräumt, als das Beenden einer Mission. Ich bin mir nicht mal ganz sicher, ob einer der Protagonisten im Spiel den Tod eines NPC/Nichtspielercharakters verursacht. Zudem kommt das Spiel komplett ohne echte Dialoge aus. Es gibt einen Geschichtenerzähler, der den Spieler an die Hand nimmt, doch Dialoge werden durch kleine Bildchen in Sprechblasen ausgetauscht. Ab und zu erhascht man einen französischen, deutschen oder englischen Wortfetzen, denn die Sprache der Spielfiguren kommt eher einem ungenauen Murmeln gleich. Intuition der Designer war wohl, dadurch die Grenzen zwischen den Nationalitäten zu verwischen. Findet man Sammelgegenstände (z.B. eine Pickelhaube), bekommt man  Zahlen, Daten und Fakten des Krieges zu hören und zu lesen. Dies ist eine tolle Lösung, wie ich finde. So wird der nicht ganz so geschichtsbegeisterte Spieler nicht mit Zahlen und Fakten dauerdrangsaliert und kann sich dem Adventure an-und-für-sich widmen. Diejenigen, die es doch interessiert, machen sich auf die Suche nach eben solchen Objekten in der Spielwelt, um mehr zu erfahren. Schade ist nur, dass sie manchmal wirklich gut versteckt sind (ich habe es ein zweites Mal durchgespielt, nur um alle Sammelobjekte zu finden)!

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Copyright: Ubisoft Montpellier (Screenshot selbsterstellt)

Die Spielmechanik selber ist sehr schlicht: man bewegt seinen Charakter mit den Pfeiltasten, benutzt die Maus zum Zielen, wenn man z.B. eine Granate wirft. Gegenstände werden von hier nach dort getragen, Hindernisse aus dem Weg geräumt, Wachen mit geworfenen Flaschen abgelenkt oder man buddelt sich mit Emile durch das Erdreich der Schützengräben. Wie es sich für ein Puzzle-Adventure gehört, gibt es einfache, wie auch teils schwere Schieberätsel oder Drehrätsel, bei denen einem immer wieder der Hund Walt zur Seite steht und mithilft. Wie zum Beispiel beim bekannten Giftgasmaschinenrätsel (selbstverständlich gab es so eine Konstruktion nicht). Die chemische Kriegsführung spielt dennoch im Spiel vor allen später in Ypern eine große Rolle…hier möchte ich gerne auch einen Kritikpunkt einbringen….(mögliche Spoiler vorraus).

Giftgas und Ypern im Spiel

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Die Giftgasmaschine. Copyright: Ubisoft Montpellier
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Die Stadt Ypern im Spiel nach einem Giftgasangriff. Copyright: Ubisoft Montpellier

Am 22. April 1915 wurde Chlorgas nach dem Haber`schen Blasverfahren erstmals eingesetzt. Allerdings nicht, wie im Spiel dargestellt, gegen die zivile Bevölkerung Yperns (heute Flandern, Belgien) und Umgebung, nein speziell außerhalb der Stadt wurde auf die richtige Windrichtung gewartet, denn dort verbarrikadierten sich die Fraktionen in ihren Gräben. Bereits 7 mal wurde der Einsatz abgebrochen, aus technischen Gründen, aber auch um die Bevölkerung zu schützen. Das Ziel: die Gaswolke in die Stellungen der Alliierten wehen zu lassen. An diesem Tag wurden 150 Tonnen eingesetzt und die Front der Alliierten kilometerlang aufgerissen. Da viele deutsche Militärs nicht an den überraschend großen „Erfolg“ geglaubt hatten, konnten sie mangels Nachschuborder an Truppen jedoch wenig Vorteil daraus ziehen. An diesem Tag erleiden ca. 1.400 Soldaten den Tod durch den Einsatz von Giftgas. Der Einsatz, der gegen das Völkerrecht verstieß, wurde nach dem Ersten Weltkrieg kaum thematisiert, da im Laufe des Krieges nicht nur die Deutschen Gas einsetzten. Der Historiker Franky Boswyn (Universität Antwerpen) kommt zu dem Schluss:“Wenn die Deutschen nicht mit dem Gas angefangen hätten, wären es die Franzosen gewesen.“ Darin seien sich die Experten einig. „Am Ende haben die Deutschen und die Alliierten etwa gleich viel Gas eingesetzt. Jeder war schuldig.“ Dass die Spielemacher natürlich Franzosen sind, hat sicher Einfluss auf die etwas verquere Darstellung im Spiel. Nicht zuletzt ist der Name „Yperit“ heute in Frankfreich ein Synonym für „Giftgas“.

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Einsatz von Chlorgas im 1. Weltkrieg. Copyright: gemeinfrei

Zurück zum Spiel:

Natürlich gibt es auch Schleicheinlagen, die teilweise recht tricky sind und oft mit dem sofortigen Tod oder der Verhaftung des Charakters enden, wenn er von feindlichen Soldaten erwischt wird.

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Karl versteckt sich Nachts vor feindlichen Patrouilllen. Copyright: Ubisoft Montpellier.

Geschicklichkeitsspiele fehlen jedoch keineswegs…so muss man auf dem Schlachtfeld vor hinabfallenden Bomben im Zick-Zack-Kurs fliehen oder mit einem roten Oldtimer samt Ana, Freddie und Walt vor den Deutschen aus Paris fliehen (herrlich witzige Szene!). Wer sich vielleicht auch lange gefragt hat, welche Lieder während der Szene gespielt werden: Johannes Brahms: Ungarischer Tanz no. 5 und Jacques Offenbachs Französischer Can Can.

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Walt, Ana, Emile und Freddie auf der Flucht aus Paris. Copyright: Ubisoft Montpellier.

Was die Panzer in diesem Spiel betrifft, tragen diese viel zum Gruselfaktor bei. Läuft man mit Emile oder Freddie über das Schlachtfeld, muss man sich manchmal doch vor den großen Ungetümen in Acht nehmen. Obwohl die ersten Panzer erst seit 1916 im Einsatz waren, sind diese im Spiel aber schon von Anfang an anzutreffen. Bin ich kleinlich? Ich hoffe nicht, es ist mir nur aufgefallen und hat meinen Spielspaß nicht getrübt.

Etwas negatives im Spiel gibt es dennoch, zumindest wenn man auf PC spielt: hektische Reanimierungsmaßnahmen seitens Ana in Quicktime-Rythmusspielen haben gegen Ende der Story für etwas Frust gesorgt. Das war es aber auch schon.

Fazit mit Taschentuchfaktor:

Gut recherchiert und sehr emotional, so manches mal kam mir der englische Satz „Faith in Humanity restored“ (Glaube an die Menschheit wiederhergestellt) in den Sinn, als ich an die Spielemacher dachte. Obwohl mich die spielerische Bezugnahme auf Ypern als Historiker (im Nachhinein) etwas gestört hat, (da sie ein falsches Bild vermittelt) merkt man, dass in dem Spiel viel historische Detailliebe steckt.

Der Moment, indem die Credits beginnen, gehört ganz sicher zu einem der großen Momente der Spielgeschichte. Als die Credits begannen kam ich nicht umhin mit einer Packung Taschentücher vor dem Bildschirm zu sitzen und mir anschließend stundenlang den wunderschönen Soundtrack anzuhören. Schaut man sich Let`s Plays auf Youtube an, bin ich froh, dass ich da wohl nicht die Einzige war. Viele schalten sogar ihr Mikrofon und die Facecam aus (falls sie eine haben), da sie weinen müssen. Wenn ein Spiel so einen Schwall an Gefühlen im Spieler hervorbringt, hat es meiner Meinung nach sein Ziel mehr als erreicht: nämlich zu Unterhalten und den Spieler dazu zu bringen, das Gespielte zu reflektieren. Selbst Menschen, die sich bis jetzt Videospielen verschlossen haben, lege ich diese kleine Perle wärmstens ans Herz, ihr werdet es nicht bereuen, lediglich ein paar Taschentücher einbüßen.

Chapeau, Ubisoft.

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Copyright: Ubisoft Montpellier

Erschienen: 24. Juli 2014, Entwickler: Ubisoft Montpellier (Simon Chocquet-Bottani, Yoan Fanise). Systeme: PC Microsoft Windows, MAC iOS, PlayStation 3 & 4, Xbox 360 & Xbox One, Android. Sprache: Multilingual.


Mehr zum Thema Giftgas und Erster Weltkrieg:

 

 

 

Gedanken zu Battlefield 1 (Teil2)

(updated: 20.08.2016)

Nach der Präsentation auf der E3 2016 und dem witzigen Multiplayerspektakel (Battlefield 1 Gameplay E3 2016) mit vielen Stars wird eines klar: das eigentlich zu erwartende langsame Spieltempo, dass historisch auch akurat wäre, wird es nicht geben. Das Setting hätte einige neue Missionsarten taktischer Natur ermöglicht, doch soweit man sieht, scheint sich das Spiel von seinen Vorgängern (leider) nicht allzu sehr zu unterscheiden. Doch dafür gibt es ja bereits das Genre der Taktikspiele wie z.B. „The Entente“ und „Word War 1 – Grabenkrieg in Europa“. Weder der Wechsel der Waffen ist langsam und verbreitet Frust aufgrund der veralteten Technik, noch verharrt man in Grabenkämpfen und Belagerungsgefechten.

(Quelle: E3 2016, Youtube Video-Channel: MKIceAndFire)

Gespannt bin ich immer noch auf die Kampagne – ob sich DICE wenigstens dort spielerisch oder Cutscenetechnisch dem ersten Weltkriegssetting historisch einigermaßen realistisch verpflichtet oder eine wahre Story nacherzählt. Bis Dato erscheint mir Battlefield 1 fast Sci-Fi-mäßig, was den Ersten Weltkrieg anbelangt…..Viele  Panzer (sogar im Osmanischen Reich)…..MGs (Handmaschinengewehre) für jede Fraktion…Flugzeuge mit Raketen…Doppeldeckerflugzeuge die Luftangriffe vollziehen (ich sage nur Papier…Raketen???)…..nunjah*räusper* Es gibt so einiges………

Abgesehen von all den Panzern. Im ersten Weltkrieg gab es ca. 9 deutsche Panzer A7V….und die britischen Mark IV….ach reden wir gar nicht davon, in Battlefield 1 sind sie überall, als wären sie Massenware wie Turnschuhe…

Battlefield 1  ….ist Battlefield 4. Mit einer WW1 Fassade. Militärhistorisch ein Desaster. Gruseilg….für den Historiker, unterhaltsam für den Gamer in mir…..the_german_spring_offensive2c_march-july_1918_q70017

(A7V, 30 Tonnen, Produktion: 20 Stück gegen Ende des Krieges)

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MarkIV, 1917 (28 Tonnen, Male/Männlich (mit Kanonen) und Weiblich/Female (MGs) Version

Tiefe Atempause…..back to topic:

Selbstverständlich kann man von einem Ego-Shooter nicht die erzählerische Tiefe eines „Valiant Hearts: The Great War“ erwarten. Dies wäre auch zu viel verlangt, obwohl technisch möglich. Doch Battlefield hatte jeher seinen Reiz in den Multiplayergefechten und nicht im Storytelling. Und dies erwarten auch die Stammspieler, tiefsinnige moralische Geschichte und Action vertragen sich selten so gut wie bei „Bioshock: Infinite“ oder „Spec Ops: The Line“…und noch weniger in Spielen mit Multiplayermodus, wie Battlefield.

Die einzige Sorge (neben dem in der Alpha sehr umstrittenen „Spotting“, d.h. Markierung feindlicher Spieler sogar durch Wände), die ich allerdings wirklich habe…und die mich beschäftigt ist: wird Großbritannien das USA des Ersten Weltkrieges? Wir alle kennen die einseitige Geschichtserzählung aus Sicht der USA in vielen WW2-Shootern. Oder womöglich bleibt es einfach bei den USA (siehe weiter unten).

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Copyright: DICE, EA

Doch warten wir die Kampagne ab…und höchstwahrscheinlich komme ich dann wieder auf Battlefield 1 zurück, denn spielen werde ich es auf jeden Fall. Und warum? Nein ich spiele kein BF3 oder BF4 im Multiplayer in einem Clan, ich bin durch die Kampagnen und hatte meinen Spaß. Doch nun bin ich als Historiker wirklich neugierig…vor allem, wegen des afroamerikanischen Charakters (Protagonisten?) der auf so vielen Screenshots zu sehen ist und auf die Harlem Hellfighters, das 369 Infanterieregiment der USA, schliessen lässt. Dies bestand nur aus Schwarzen, die sich in Kanada oder Frankreich verpflichteten, jedoch US-Uniformen trugen, denn „Schwarz war keine Farbe des Regenbogens“. Für mehr Info zu ihnen, lest hier weiter. (p.s. mittlerweilse hat sich mein Verdacht bestätigt.)

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Copyright: University of Germantown

 

 

 

 

Gedanken zu Battlefield 1 (Teil1)

Lange warteten Fans der Battlefield-Reihe auf ein Setting im Ersten Weltkrieg. Zumindest wenn ich mich in Foren und im Freundeskreis umsehe. In kurzer Zeit wurde der Trailer vom Mai zu einem der beliebtesten Trailer auf Youtube (über 37 Mio. clicks) und euphorisch von der Community gefeiert. Doch es tauchten auch kritische Stimmen auf (siehe GIGA.de).

Battlefield 1 erscheint voraussichtlich im Oktober 2016 und wurde, genau wie seine Vorgänger, von Digital Illusions Creative Entertainment AB (DICE) aus Schweden entwickelt.

Lange warteten Fans der Battlefield-Reihe auf ein Setting im Ersten Weltkrieg. Zumindest wenn ich mich in Foren und im Freundeskreis umsehe. In kurzer Zeit wurde der Trailer vom Mai zu einem der beliebtesten Trailer auf Youtube (über 37 Mio. clicks) und euphorisch von der Community gefeiert. Doch es tauchten auch kritische Stimmen auf (siehe GIGA.de).

Den Ersten Weltkrieg kennen viele noch aus der Schulzeit. 2014 war es 100 Jahre her, dass sich die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ jährte. In Medien, Dokumentationen, ja auch in Videospielen (wie z.B. Valiant Hearts) wurde eine Erinnerungskultur praktiziert, die wohl doch an den meisten vorbeiging oder aufgrund übertriebenen medialen Inputs und moralischen Diskussionen gerade von jungen Leuten ignoriert wurde. Zu sehr sind viele es leid immer wieder mit moralisch erhobenem Zeigefinger an die Kriege Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert zu werden.

100 Jahre sind lange her. Und wir, die wir in Westeuropa leben, kennen seit 70 Jahren in unseren eigenen Gefilden den Krieg nur aus Filmen (meist aus Hollywood) oder eben Videospielen. Selbstverständlich schafft dies eine unwirkliche Distanz zu unserer Vergangenheit, vielleicht ist dies gut. Vielleicht auch nicht. Bedenken sollte man auch, dass vor allem bei der Battlefield-Serie, die auch andere Kriege des 20. Jahrhunderts behandelt, auch der amerikanische Markt mitunter bedient wird. Und viele Amerikaner und nicht-Europäer haben über den Ersten Weltkrieg zumindest aus medialer Sicht wenige Kenntnisse über die Ursachen und Ausmaße dieses Krieges. Meistens, zumindest fiel mir dies  in vielen Foren auf, wird der Erste Weltkrieg mit dem Zweiten Weltkrieg von vielen jungen Amerikanern  gleichgesetzt oder gar „vermengt“. Es ist schon seltsam, wenn man als Historiker Posts liest, die Soldaten des Kaiserreichs unter Wilhelm II. als „Nazis“ bezeichnen.

Doch zurück zum Trailer, den man wirklich gesehen haben sollte, bevor man an dieser Stelle die nächsten Tage weiterlesen kann: